Seit dem 29.06.2016 bin ich frei von der Anti-Baby-Pille - also bald 2,5 Jahre.


Bisher hatte ich dazu zwei kleine Tagebucheinträge verfasst, die recht kurz und nicht wirklich informativ waren. Da mir dieses Thema aber seit einiger Zeit sehr am Herzen liegt, folgt nun ein ausführlicher Erfahrungsbericht.

Meine Kollegin Liv hat mich mit ihrem Blog-Beitrag Erfahrungsbericht: Pille abgesetzt - Die ersten Monate inspiriert, dieses Thema noch einmal intensiver aufzugreifen.


Ist dir der gesamte Erfahrungsbericht zu viel, kannst du auch direkt zu meinem Fazit springen.




Warum mein Wunsch die Pille abzusetzen?


Hauptgrund #1: Ich wollte meinen Körper wieder!
und 2. Die Pille beeinflusst den gesammten Hormonhaushalt negativ. - So it's settled then!



27. Juni 2016 - Das Vorgespräch


Viel Recherche und Austausch mit anderen Frauen brachte mich hier her: ins Sprechzimmer meiner Gynäkologin.
Aufgrund diverser Gebärmutter- und Eileiterentzündungen nahm ich die laktosefreie Pille Enriqua nun schon seit 2 Jahren im Langzeitzyklus.
Ich hatte also keine Periode, weil ich keine Pillenpause einlegte.


Meine Gynäkologin meinte damals, durch die Dauereinnahme und die fehlende Periode würden die Bakterien keine Chance haben, bis in die Gebärmutter zu wandern.
Das war mein Stand - Ich vergaß zwar gut und gerne wichtige Dinge, aber das hatte sich in mein Gedächtnis gebrannt.


Das ich die Pille absetzen wollte, fand meine Gynäkologin bemerkenswert. Denn sie selber hält nichts von künstlichen Hormonen. Sie schaden den Frauen mehr, als das sie helfen. Also hatte ich ihre Unterstützung.

Doch als ich auf das Thema "Ohne Pille Freifahrt für Bakterien" kam, war ihre Reaktion:
"Woher haben Sie eine solche Information? Auch unter der Dauereinnahme können Bakterien jederzeit wandern".
Zur Erinnerung: Sie hatte 2 Jahre zuvor das Gegenteil erzählt!
Ich war kurzzeitig verwirrt, doch ich war mir sicher: ich wollte die Pille loswerden!


Wir vereinbarten, dass ich meine letzten 3 Pillen-Blister aufbrauche und dann nochmal zur Kontrolle komme. Außerdem gab sie mir den Tipp, mir eine Zeit zum Absetzen auszusuchen, in der ich wenig Stress haben werde. Denn das Absetzen wäre kein Zuckerschlecken.



Ho ho, let's go!


Kurzer Rückblick: Ich nahm die Pille insgesamt 10 Jahre, also seit meinem 18. Lebensjahr. Insgesamt hatte ich 4 verschiedene Sorten: Bellissima, Chariva, Belara und als die Laktoseintoleranz festgestellt wurde, wechselte ich auf Enriqua.

Damals gab es keine Aufklärung. Mir wurde gesagt, die Pille sei das Beste Verhütungsmittel für uns Frauen, ohne Nebenwirkungen.
Haut und Haare profitieren davon. Auch damals in der Schule lernte ich dies im Sexualkundeunterricht, dabei beziehe ich mich auf den Pearl-Index, der die Sicherheit von Verhütungsmitteln angibt.


29.06.16 - Facebook-Freundinnen ermutigten mich, die Pille an diesem Abend nicht zu nehmen. Denn warum weiter ein Hormonchaos aufrechterhalten, nur um die 3 Monate noch zu füllen und die Tabletten aufzubrauchen?


Sie hatten recht: dies war der Startschuss die Pille wegzulassen.

Es war Anfangs ein komisches Gefühl, denn ich nahm die Pille immer gegen 18 Uhr. Ergo kam um diese Zeit immer das Gefühl auf, etwas vergessen zu haben.



3 Monate danach


Mein Zyklus war sehr durchwachsen. Ich fühlte mich schlapp und ausgelaugt, litt unter Kopfschmerzen, Schwindel, hatte starke Unterleibskrämpfe.

Ich ließ neue Schilddrüsenwerte machen, da mir bekannt war, dass die SD nach dem Absetzen Probleme machen könnte. Und siehe da, ich war in einer künstlichen Überfunktion gelandet, obwohl sich an meiner Hormondosis nichts verändert hatte.


Dies beeinflusste auch meinen Zyklus, indem ich im Dezember 2016 und Januar 2017 meine Periode nach 3 Wochen erneut bekam.

Darauf folgten Monate mit PMS, Schmerzen um den Eisprung, Kopf- / Nacken- und Rückenschmerzen, empfindliche Brüste, Schwindel, Heißhungerattacken vorwiegend auf Süßes. Die Blutung verlängerte sich von 4 Tagen (zu Zeiten der Pillenpause) auf 5 bis 8 Tage.



6 Monate später


Ich habe eine Libido - meinen Freund freut es :D *high fyve* - Ich wusste 10 Jahre nicht was das ist, hab nur davon gelesen oder gehört...

Habe meinen Körper wieder, sprich Ich fühle mich, fühle mich frei.

Ich habe einen Zyklus zwischen 28 und 35 Tagen, Schmerzen während der Periode, aber alles vertretbar.

Mein Geruchssinn war wieder da oder sogar verstärkt - Komisch, aber ich nehme Düfte / Gerüche viel intensiver wahr.

Nachteil: Kann meinen Freund nicht mehr riechen...
Habe von einigen Frauen gehört, dass dies vorkommen kann und hatte außerdem von einigen Trennungen dadurch gehört.
Hoffentlich passiert mir das nicht. *fingers crossed*



1 Jahr später


Libido weiterhin vorhanden.

ABER habe mich von meinem Freund getrennt.
Nicht nur mein Geruchssinn, auch meine Gefühlswelt hat sich seit dem Pille Absetzen verändert.

Übliche Symptome weiterhin vorhanden, Schilddrüse ist wieder richtig eingestellt und ich bin wieder bei der Dosis, die ich auch zu Pillenzeiten hatte.


Ich bin Single und versuche in meiner ersten eigenen Wohnung zurechtzukommen.

Libido möchte gehört werden und ich nutze diese aus. Leider passiert ein Verhütungsunfall (der Erste überhaupt), was zur Folge hat, dass ich die Pille Danach nehmen muss.


Meine neuen Symptome nach der Pille Danach
  • Schmerzen während des gesamten Zyklus
  • Schmerzen um den Eisprung
  • permanent Eierstockzysten
  • Depressive Phasen
  • verstärkte Angst- und Panikattacken, die ich 2010 - 2012 und nochmal 2015 hatte.
  • Libido ist wieder weg
  • fühle mich künstlich
  • Erneute Gebärmutter- und Eileiterentzündung (hatte Ruhe seit 2014)
  • nervigste Symptome: Ziehen, Drücken, Reißen und Brennen im Genitalbereich

Bin der Meinung das sind die Folgen der Pille Danach.



1,5 Jahre sind überstanden


Positiv: Ich bin wieder mit meinem Ex zusammengekommen. Wir sind offensichtlich auch ohne den Einfluss der Pille kompatibel.
Die Beziehung hat sich gewandelt - dafür haben wir aber auch an uns gearbeitet. - Ich glaube, einen großen Schritt durch das Absetzen der Pille gemacht zu haben.

Allergings noch immer die "neuen" Symptome. Hatte gehofft sie "verlaufen" sich mit der Zeit.


Drei Gynäkologen später und keinen Schritt weiter... Habe sogar einen Bluttest der Sexualhormone am 21. Zyklustag machen lassen. Dieser hat leider keine neuen Erkenntnisse gebracht.

Bin noch immer der Meinung, dass kommt von der Pille Danach. Langzeitfolgen sind leider im Netz, bis auf einen einzigen Bericht, nirgends zu lesen.

Zudem sind meine Symptome bei den Nebenwirkungen der Pille als seltene Nebenwirkungen zu lesen, auch wenn sie nicht direkt nach der Einnahme entstanden sind - Wollte mir aber keiner der Gynäkologen glauben...



Nein, die Pille ist nicht das Allheilmittel -.-


Es war an der Zeit mir mehr Wissen anzueigen.

Erst bei Facebook wurde ich auf das Buch "Natürliche Hormontherapie" aufmerksam - bisher eines der besten Bücher, die ich in dieser Richtung gelesen habe.

Mir wurde immer bewusster, dass ich bioidentisches Progestern brauche, weil meine Symptome eindeutig durch einen Progesteronmangel, ausgelöst durch die Jahrelange Einnahme der Pille und den die Pille danach, verstärkt wurden.


Kurz vor meinem Urlaub im Juli 2018 begann meine Periode und wollte selbst nach 7 Tagen, als wir schon in Potsdam waren, nicht gehen. Schmerzen und Blutung verstärkten sich. Ich bekam leichte Panik, da Schwindel und Kreislaufprobleme dazukamen - Kein Wunder, bei dem andauernden Blutverlust.

Ich googelte den naheliegendsten Gynäkologen und konnte als "Notfall" in die Praxis kommen. Er diagnostizierte die als verschwunden gegoltene linke Eierstockzyste, die autonom Hormone produzierte und somit meine Periode unnötig verlängerte. "In ein paar Tagen hört die Blutung von selbst auf." beruhigte er mich, was sich dann auch bewahrheitete.


Doch nach drei Tagen fing die Blutung erneut an. Da zurück in Leipzig, ging ich sofort zu meinem Gynäkologen.
Er war überrascht, dass die Eierstockzyste, die 2 Monate zuvor angeblich nicht (mehr) zu sehen war, doch noch an Ort und Stelle ihr Unwesen trieb. "Sie brauchen Hormone, damit die Blutung gestoppt wird, sonst dauert es eine ganze Weile, bis die Zyste aufhört. Bis dahin haben Sie einen gravierenden Eisenmangel."

Er ging zum Schrank rechts von sich und stellte mir eine Anti-Baby-Pillen Packung mit den Worten "Da ist alles drin, was Sie brauchen" auf den Tisch.
Ich fiel im wahrsten Sinne vom Glauben ab, wäre ich nicht bereits aus der Kirche ausgetreten.

Als ich ihm entgegnete, dass ich keine künstenlichen Hormone mehr nehmen möchte, wurde er laut. "Entweder Pille oder warten!"
"Nein, da gibt es noch eine weitere Möglichkeit" ging ich dazwischen - "Sie können mir bioidentisches Progesteron verschreiben, zB. Famenita oder Utrogest!? Bitte."

Ich solle mir einen anderen Arzt suchen, der mir sowas verschreibt. Von ihm gibt es nur die Pille - Also im Sinne von 'Friss oder stirb' - Menno, ich wusste das es schwierig wird, aber so?!?

Das ich in dem Moment der Verzweiflung nah war, ist denke ich verständlich.
In meinem Kopf ratterte es, wo finde ich einen Arzt, der nicht der Pharma-Anti-Baby-Pillen-Lobby zu Füßen liegt. Doch dann lenkte er ein und verschrieb mir Famenita sowie Estrifam, ein bioidentisches Östrogen.
Vor Freude wäre ich am liebsten im Sprechzimmer herumgehüpft.



Ich hatte recht!


Schnellstmöglich begann ich mit den bioidentischen Hormonen und siehe da, ca. 1 Zyklus später waren meine Symptome so gut wie weg. Gut, die Hauptsymptome brauchten noch Zeit zum Verschwinden.


Bei der Kontrolluntersuchung einen Monat später fand man eine weitere Zyste am rechten Eierstock, die in kürzester Zeit auf 5 cm anwuchs und sehr fiese Schmerzen verursachte.
Somit erhöhte ich meine Dosis Famenita von anfangs 100mg auf teilweise 400 bis 600mg und siehe da, nach 6 Monaten vercremen (Orale Einnahme hat zu ohnmachtsähnlichem Schwindel geführt), sind meine Symptome zu 98% verschwunden.

Ich hatte demnach Recht, dass ein Progesteronmangel auch ohne passende Blutwerte vorhanden war.



November 2018


Mithilfe meines neuen Minijobs konnte ich eine private Gynäkologin aufsuchen und mein Famenita in ein eigens für mich hergestelltes Progesteron-Gel upgraden lassen.



Mein Fazit


Meine Erfahrungen nach dem Abetzen müssen nicht zwangsläufig jeder Frau passieren, da jeder Körper anders ist und auch die Dauer der im Körper befindlichen Hormone eine Rolle spielt.

Fakt ist aber, dass künstliche Verhütung immer einen Progesteronmangel mit sich zieht. >> Wieso, erkläre ich hier.

Daher lässt sich mit Gewissheit sagen: Egal ob Anti-Baby-Pille, Hormonspirale, 3-Monats-Spritze oder andere hormonelle Verhütungsmittel, diese sind immer ein Eingriff in den weiblichen Körper.
Nicht umsonst mussten die Beipackzettel in den Pillenpackungen angepasst werden, weil sie unter anderem Depressionen hervorrufen.

Ob hormonelle oder hormonfreie Verhütung entscheidest natürlich du selbst.

Ich hoffe aber denoch, dir mit meinem Erfahrungsbericht und allen weiteren Infos, die ich hier biete, die Augen geöffnet oder dich in deinem Absetz-Wunsch bestärkt zu haben.
Denn was diese "Hormone" wirklich sind: 100% Künstlich, somit nicht körperidentisch. Also kann der Körper damit nichts anfangen und es entstehen im ungünstigsten Fall unnötige Nebenwirkungen.

Für mich kommt hormonelle Verhütung nie wieder in Frage.


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